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Zinseszinsrechner — wie sich Zinsen über Jahre vermehren

Wie der Zinseszinseffekt funktioniert, mit Beispielen für ETF-Sparplan, Tagesgeld und Festgeld. Plus Faustregel für die Verdopplungszeit eines Kapitalbetrags.

Was der Zinseszinseffekt eigentlich ist

Der Zinseszinseffekt beschreibt, dass auch die bereits gutgeschriebenen Zinsen in der nächsten Periode wieder mit dem Zinssatz vergütet werden — nicht nur das ursprüngliche Kapital. Mathematisch wächst das Endkapital exponentiell statt linear. Wer 10.000 Euro für 30 Jahre zu fünf Prozent jährlich anlegt, hat am Ende rund 43.219 Euro statt der 25.000 Euro, die bei einfacher Verzinsung herauskämen. Der Unterschied von 18.219 Euro entsteht ausschließlich aus den Zinsen auf die Zinsen.

Die Formel und ein konkretes Beispiel

Die Grundformel lautet: Endkapital = Anfangskapital × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Bei monatlicher Sparrate kommt eine Annuitätenkomponente hinzu. Konkret für einen ETF-Sparplan: Wer 25 Jahre lang jeden Monat 200 Euro investiert und dabei eine durchschnittliche jährliche Rendite von sechs Prozent erzielt, hat am Ende rund 138.600 Euro angespart — eingezahlt hat er nur 60.000 Euro. Der Zinseszinseffekt liefert die Differenz von rund 78.600 Euro.

Wichtig dabei: Die Rendite ist nicht garantiert. Sechs Prozent sind die langfristige Durchschnittsrendite breit gestreuter Aktienindizes wie des MSCI World seit den 1970er-Jahren — in einzelnen Jahren liegt sie deutlich darüber oder darunter, und reale Renditen nach Inflation fallen niedriger aus.

Die 72er-Regel als schnelle Daumenregel

Wer im Kopf abschätzen will, in wie vielen Jahren sich ein Kapitalbetrag bei einem bestimmten Zinssatz verdoppelt, teilt 72 durch den Zinssatz in Prozent. Bei vier Prozent dauert eine Verdopplung etwa 18 Jahre, bei sechs Prozent rund 12 Jahre, bei zehn Prozent gut 7 Jahre. Die Regel funktioniert mathematisch sauber für Zinssätze zwischen zwei und zehn Prozent — bei sehr hohen Zinssätzen wird sie ungenauer.

Wo der Zinseszinseffekt am stärksten wirkt

Drei Anlageformen profitieren in der Praxis besonders deutlich:

  • ETF-Sparpläne thesaurieren die Dividenden automatisch und legen sie wieder an. Hier wirkt der Zinseszinseffekt ohne Steuerstundungs-Bremse, sofern wir den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr noch nicht ausgeschöpft haben.
  • Festgeld mit Zinsthesaurierung addiert die Zinsen am Ende der Laufzeit zum Kapital. Bei mehrjährigen Festgeldern ergibt sich daraus ein spürbarer Hebel.
  • Tagesgeld hat zwar niedrigere Zinsen, aber die monatliche oder vierteljährliche Gutschrift sorgt dafür, dass der Effekt früh einsetzt.

Lebensversicherungen und kapitalbildende Produkte rechnen den Zinseszins zwar in die Garantieverzinsung ein, ihre Verwaltungskosten zehren ihn jedoch oft auf — der Vergleich zum kostengünstigen ETF lohnt vor jedem Vertragsabschluss.

Was die Steuer mit dem Effekt macht

Seit 2018 gilt für Aktien-ETFs in Deutschland die Vorabpauschale: Auf nicht ausgeschüttete Erträge wird jährlich eine fiktive Mindestrendite versteuert. Das schwächt den Zinseszinseffekt leicht, weil ein Teil der Erträge schon laufend an den Fiskus geht. Trotzdem bleibt der Steueraufschub gegenüber laufend ausschüttenden Produkten ein Vorteil — bei langen Anlagehorizonten von 20 Jahren und mehr summiert sich der Unterschied zu mehreren Tausend Euro pro 100.000 Euro Anlagesumme.

Was wir empfehlen

Der größte Hebel liegt im frühen Anfang. Ein 25-Jähriger mit 100 Euro Sparrate erreicht bei sechs Prozent jährlicher Rendite zum 65. Geburtstag rund 199.000 Euro. Ein 35-Jähriger mit der doppelten Sparrate (200 Euro) kommt auf rund 200.000 Euro — er muss aber das Doppelte einzahlen. Die zehn zusätzlichen Jahre kosten in Summe mehr als die verdoppelte Sparrate. Wer diese Erkenntnis ernst nimmt, fängt früh an, automatisiert die Sparrate per Dauerauftrag und erhöht sie mit jedem Gehaltssprung.